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Alte Harburger Elbbrücke Ein Meisterwerk von Narten & Stier

Am 30. September 1899 war es endlich soweit. Die neue Brücke über die Süderelbe von Harburg nach Wilhelmsburg wurde feierlich eröffnet. Der damalige Architekt der Sandsteinportale war Hubert Stier, der auch die Hauptbahnhöfe Hannover und Bremen entwarf. Die Bauleitung unterlag hingegen dem Strombaudirektor Georg Narten.

Der Bau der Alten Harburger Elbbrücke

Der damalige Baukonzern MAN Gustavsburg nahm 1897 die Errichtung der Harburger Elbbrücke in Angriff. Zu dieser Zeit waren Harburg und Wilhelmsburg Teil Preußens und gehörten erst 1927 mit dem „Groß-Hamburg-Gesetz zu Hamburg“. Mit der neuen Brücke wurde die erste Straßenbrücke über den südlichen Teil der Elbe errichtet (Süderelbe). Bis Anfang 1970 diente auch als Übergang für die ehemalige Straßenbahn Hamburgs. Die 474 Meter lange Brücke mit dem markantem „Fischgrätenmuster“ aus Stahl, erhielt zwei schöne Sandstein Portale, die mit den Wappen Harburgs und Wilhelmsburgs sowie (früher) mit dem Preußischem Adler verziert waren. Seit 1983 wird die Harburger Elbbrücke durch die Europabrücke ergänzt, auf der von da ab der Autobahnverkehr der A 253 verlief. Zusätzlich existiert eine weitere Straßenbrücke von 1937 mit dem Namen Brücke des 17. Juni.

Die Wappen an den Portalen der Brücke

Wappen der Stadt Harburg
Wappen der Stadt Harburg (Bild: Wikipedia)

Wappen der Stadt Harburg

Im alten Harburger Stadtwappen sehen wir eine rote Stadtmauer mit einem Tor sowie drei Türmen. Der mittlere Turm trägt eine blaue Haube. Im Stadttor befindet sich golden hinterlegt der Braunschweiger Löwe mit rot ausgestreckter Zunge. Am Löwen wird die ehemalige Zugehörigkeit der Stadt Harburg zum Gebiet des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg erinnert (später Königreich Hannover).

 

Wappen der Stadt Wilhelmsburg
Wappen der Stadt Wilhelmsburg (Bild: Wikipedia)

Wappen der Stadt Wilhelmsburg

Am Nordportal prangt hingegen das Wappen der Stadt Wilhelmsburg (1925-27). Das Wappen ist vertikal in zwei Teile gespalten. Auf der linken Seite sehen wir den blauen Löwen mit roter Zunge auf goldenem Grund. Es handelt sich ebenfalls um den Braunschweiger Löwen, umgeben von roten Herzen. Auf der rechten Seite befinden sich die Eleonore d’Olbreuse’s Lilien in blau und silber, erschien erstmals um 1895. Die französische Adelstochter Eleonore d’Olbreuse aus dem französischen La Rochelle war die Maitresse des Herzogs Georg Wilhelm von Braunschweig. Sie erhielt 1665 den Titel „Frau von Harburg“ sowie 1674 „Gräfin von Harburg und Wilhelmsburg“. Nach ihrer Heirat mit dem Herzog im Jahre 1676 durfte sie sich dann auch „Herzogin von Braunschweig-Lüneburg-Celle“ nennen.

Mit dem Zusammenlegen der beiden Stadtteile im Jahr 1927 zu „Harburg-Wilhelmsburg“, wurde das Wappen von Harburg um zwei Lilien auf den äußeren beiden Türmen ergänzt.

Der Sandsteinportal-Architekt Hubert Stier

Stier war ein deutscher Architekt, Beamter sowie Lehrer an der Hochschule. Er wurde 1838 in Berlin als Sohn des Architekten Wilhelm Stier geboren. Dieser war Professor an der Berliner Bauakademie und gehörte der dortigen bekannten Studentenvereinigung „Akademischer Verein Motiv“ an. Als Kind nahm sein Vater ihn regelmäßig zu Vorlesungen mit, so dass er in der Folge selbst Architektur studierte. In seiner Laufbahn lernte er auch Hermann Friedrich Waesemann kennen, dem Architekten des Rote Rathauses in Berlin Mitte. Nach Studienreisen ins ferne Italien und Frankreich wurde er 1868 zum Regierungsbaumeister in Berlin berufen. 1876 wechselte Stier nach Hannover, um für die dortige Königliche Eisenbahn-Direktion den neuen Hauptbahnhof der Stadt zu entwerfen. Nur vier Jahre darauf begann seine schulische Laufbahn der TU Hannover. Zunächst war er Lehrer, dann Professor und schließlich ernannte man ihn zum Baurat und 1905 zum Geheimen Baurat, der direkt dem Monarchen unterstand. Auch das Gebäude des Hauptbahnhof Bremen sowie des Bahnhofs Harburg gehen auf sein Konto.

Der Begriff „Elbbrücken“

Der Begriff „Elbbrücken“ umfasst alle Brücken und Tunnel, die den südlichen (Süderelbe) und nördlichen Teil (Norderelbe) des Flusses Elbe über- und unterqueren. Zu den bekanntesten Querungen zählen mit Sicherheit der Alte Elbtunnel an den Landungsbrücken, der Neue-Elbtunnel sowie die Köhlbrandbrücke. Aber die Brücken der Süder- und Norderelbe sind bekannte Bauwerke.

Koehlbrandt mit Koehlbrandt Brücke
Koehlbrandt mit Koehlbrandt Brücke

Die erste Elbquerung

In der Zeit vor 1813 konnte die Elbe nur per Schiff oder im Winter auch über die zugefrorene Elbe überquert werden. Als Hamburg von den Truppen Napoleons belagert wurde, erhielt Marschall Louis-Nicolas Davout die Weisung Harburg und Hamburg zur Festung auszubauen sowie eine Holz(brücke) von Harburg nach Hamburg zu errichten. Bei dieser Jochbrücke (Pfahlbrücke) mussten die Reisenden jedoch zum Übersetzen über die Süder- und Norderelbe noch auf Fähren zurückgreifen, so dass es sich nicht um eine „echte“ Elbbrücke handelte. Dennoch konnte man das unwegsame und nicht eingedeichte Gelände auf der Elbinsel einfach überqueren. Der Bau wurde in nur 83 Tagen von 3798 Handwerker aus der Region und 1800 Franzosen fertiggestellt. Nach Ende der napoleonischen Ära um 1817 verfiel das Bauwerk jedoch nach und nach.

Gebrüder Suhr Elbbrücke Napoleons 1813-14
Gebrüder Suhr Elbbrücke Napoleons 1813-14

Eisenbahnbau treibt neue Brückenprojekte voran

Die Idee einer festen Querung über beide Elbarme wurde erst im Zuge des Eisenbahnbaus im Deutsche Reich verwirklicht. 1872 konnte das letzte Teilstück der Neubaustrecke von Paris nach Hamburg fertiggestellt werden (Hamburg-Venloer-Bahn). Am Endstück befand sich der Venloer-, bwz. ab dem Jahr 1892 genannte Hannoversche Bahnhof auf dem heutigen Gebiet der Hafencity.

Damit konnten erstmals Züge den Elbstrom passieren. 1887 folgte dann mit dem Bau der Neuen Elbbrücke über die Norderelbe auch eine feste Verbindung für Fuhrwerke. Zwei Jahre später komplettierte die Harburger Elbbrücke auch deren Weg über Süderelbe. Von den gotischen Portalen der Schwesterbrücke im Norden sind leider keine erhalten geblieben. Diese wurden im Zuge der Verbreiterung 1960 abgetragen.

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Chris

Chris ist Hobbyfotograf aus dem schönen Hamburg mit einem Faible für architektonische Tag- und Nachtaufnahmen, Geschichte und der Hansestadt Hamburg.

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